Schlagwort: Meinung

  • Ich bin nicht politisch… Oder doch?

    „Politiker haben keine Ahnung und machen sich nur die Taschen voll.“ – Auch schon mal gehört? Oder sogar schon mal gesagt?

    Es gibt mehr als genug Vorurteile und Polemik gegenüber Politiker*innen. Doch wie kommt’s? Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen Politik als etwas weit entferntes betrachten, etwas weltfremdes, das nichts mit ihnen zu tun hat. Irgendwie auch als Beruf?!

    So verständlich ich es finde, manchmal Frust zu verspüren oder sich so gar nicht mit Politiker*innen und ihren Entscheidungen anfreunden zu wollen, so falsch sind Aussagen, wie die obige.

    Die Politik ist kein Selbstzweck, sie ist da um demokratische Entscheidungsfindung zu ermöglichen und Kompromisse zu finden. Und Parteien sind letztlich nur Organisationen, in denen sich Menschen versammeln, mit einander diskutieren, Themen setzen und uns Wähler*innen Orientierung sowie Stabilität bieten. Oder hast du Lust, dich mit jeder Person, die möglicherweise kandidieren möchte, und ihren Vorschlägen einzeln auseinanderzusetzen? Und dann müsstest du noch überlegen: „Kann die dat eigentlich?“

    Es ist das eine Verständnis, Demokratie zu leben, indem man wählen geht und sich damit ausreichend an der Demokratie beteiligt zu haben (Wähler*in).

    Es ist ein anderes Verständnis, sich seiner Werte und Prioritäten bewusst zu sein und diese in Parteien einzubringen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und andere davon zu überzeugen, die beste Lösung zu haben. (Engagierte, man könnte auch sagen: Politiker*innen).

    Und es ist noch mal etwas ganz anderes, bei Wahlen anzutreten, öffentlich Debatten zu führen und am Ende Entscheidungen zu treffen, die womöglich Einfluss auf uns alle haben. (Gewählte Vertreter*innen).

    Wo würdest du dich einordnen? Wie beteiligtst du dich an der Demokratie?

    Wenn du meinst zur Gruppe „Ich gehe wählen und gut ist“ zu gehören, dann ist das absolut in Ordnung. Als Wähler schaust du dir die Wahlprogramme der Parteien an, überlegst, was dir wichtig ist und triffst dann eine Entscheidung. Optimalerweise für ein Programm, welches am Besten zu deinen Vorstellungen passt.

    Als engagierte Person liest du dich in Themen ein, suchst dir verschiedene Perspektiven raus, sprichst mit Menschen, vertrittst deine Postionen und entwickelst Lösungen mit. Und das ist auch super wichtig, denn Politiker*innen machen Wählenden ein Angebot. So gesehen, sparen sie uns Wähler*innen richtig viel Zeit und Aufwand.

    Als gewählte Person diskutierst du die Positionen von dir und der Partei oder Gruppe, in der du organisiert bist, mit anderen und versuchst Kompromisse zu finden. Du triffst Entscheidungen, die viele Menschen betreffen, nach gründlicher Abwägung. Du verantwortest letztlich deine Entscheidungen gegenüber den Menschen, die du vertrittst. Du nimmst den Menschen damit Verantwortung ab und gibst ihnen dafür Orientierung.

    Wie viel Zeit und Energie würdest du für Demokratie und ihre Prozesse aufwenden (können)?

    Wenn du wählen gehst, brauchst du dich für deine Wahl nicht zu rechtfertigen. Wenn du politisch engagiert bist, wirst du im Bekannten- und Freundeskreis schon mal bezüglich der Positionen von dir oder deiner Partei und auf das Verhalten anderer angesprochen. Teilweise wirst du auch verantwortlich gemacht für Lösungen, die nicht beliebt sind. Wenn du dich zur Wahl stellst und ggf auch ein Amt bekleidest, muss du mit Ansprachen, Ablehnungen und sogar persönlichen Anfeindungen rechnen.

    Wie viel Druck würdest du aushalten wollen?

    Oft sind wir mit Aussagen nicht fair zu Politiker*innen und blenden aus, was es bedeutet, sich stärker in demokratische Prozesse einzubringen. Und oft sind wir sehr selbstgerecht, wenn wir der Meinung sind, dass wir es besser könnten.

  • Warum noch ein Blog?

    Berechtigte Frage, schließlich erstickt das Internet in Informationen, vielfältigen Meinungen und allerlei Quatsch.

    So gesehen, lässt das Internet kaum noch Raum zum Atmen. Das wirklich Interessante geht vielfach einfach unter. Wir halten Dinge für interessant, die uns vor einigen Jahren noch wie lästiger Datenmüll vorgekommen wären. Manchmal konsumieren wir Inhalte, ohne dass wir diese noch wahrnehmen – Einfach zum Zeitvertreib und zum Entspannen. So gesehen, macht dieser Blog den Braten dann auch nicht mehr fett.

    Warum nicht einfach ein Profil bei einer größeren Plattform nutzen?

    Die großen Plattformen haben mit ihren Angeboten die Hemmschwelle, die eigenen Meinungen im Internet zu äußern und miteinander zu kommunizieren, deutlich reduziert. Für Anwender*innen ist es super einfach, ihre Gedanken in die Welt zu rufen und über ihre Aktivitäten auf dem Laufenden zu halten. Die Welt ist dabei – je nach Wunsch – ein kleiner, ausgewählter Personenkreis oder wirklich die ganz große digitale Welt.

    Ist es denn wirklich die ganz große Welt? Sehen wirklich alle gewünschten Personen die neuesten Urlaubsfotos oder das Reaction-Video zum Thema ABC? Plattformen haben ein Interesse daran, dass die Nutzer*innen möglichst viel Zeit auf dieser verbringen. Zeit ist Geld – Insbesondere, wenn jeder zweite oder dritte Beitrag im Feed Werbung ist (Zumindest in meinem Feed ist das so, ich nehme den Inhalt allerdings auch nicht mehr bewusst wahr beim Durchscrollen). Das bedeutet, dass die Anwender*innen die Inhalte zu sehen bekommen, die sie nach Meinung der Betreiber möglichst lange am Bildschirm fesseln. Das müssen nicht die Beiträge der besten Freund*innen sein. Auch nicht die Inhalte, die die Anwender*innen wirklich interessieren. Und selbst wenn ein Beitrag dann irgendwann mal im Feed landet, kann es sein, dass dieser im Werbungrunterscrollmodus nicht mehr wahrgenommen wird.

    Daher dieser Blog.

    Ich persönlich möchte nicht alles mit den Plattformbetreibern teilen und erst recht nicht von ihnen abhängig sein. Das ist in meinen Augen die große Kehrseite der niedrigen Hemmschwelle und potentiellen Reichweite – Die Vielfalt im Netz geht verloren. Viele Anwender*innen sehen nur noch die Informationen, die dem Betreiber nützen, und dieser setzt auch seine Regeln durch, was gesehen werden darf und was nicht (Ob der Inhalt gefällt oder nicht). Die Betreiber können außerdem jederzeit nach Belieben den Stecker ziehen.

    Dieser Blog soll ein kleiner Beitrag zu einem freien, unabhängigen und vielfältigen Netz sein.